Das verflixte 7. Jahr – Wahrheit oder Mythos?

Der Mythos des „verflixten siebten Jahres“ hält sich beständig. Ich finde das spannend, denn je mehr man online nach dieser Legende recherchiert, umso mehr Begründungen findet man, die die scheinbare Korrektheit des Mythos erklären. Schaut man hingegen ein wenig genauer hin, wird jeder feststellen, dass ebenso viele Artikel darauf verweisen, dass es das verflixte siebte Jahr nicht gibt.

Ganz gleich, wie man es dreht, bleibt eine Frage bestehen: Wieso hagelt es bei so vielen Paaren im siebten Jahr bzw. weshalb belegen deutsche Statistiken1 genau diesen Aspekt?

Trennung nach sieben Jahren die Regel(?)

Die Statistik selbst ist exakt, allerdings scheitern viele Autoren, die zu diesem Thema schreiben, an der Interpretation. Es ist schlicht falsch zu sagen, dass Beziehungen, die nach sieben Jahren zerbrechen, wirklich erst nach sieben Jahren den kritischen Zustand erreicht haben. Wahrscheinlicher ist, dass die Paare bereits Monate oder gar Jahre zuvor Probleme aufbauten, die nicht gelöst wurden (und unter Umständen zu Handlungen wie Betrug o.ä. führten), was die Grundlage für die spätere Zersplittung ist. Demnach kann zwar gemutmaßt werden, dass sich Paare statitisch nach sieben Jahren trennen, allerdings nicht, dass eine Beziehung nach sieben Jahren in die Brüche geht.

Hormone als Grund für das verflixte siebte Jahr(?)

Eine weitere These, die das verflixte siebte Jahr zu begründen versucht, basiert auf biologischen Thesen. Der österreichische Philosoph Rudolf Steiner geht davon aus, dass sich der menschliche Körper sieben Jahre hormonell verändert. Somit entwickeln sich auch unsere Persönlichkeit, Interessen und Bedürfnisse weiter. Er stellt somit eine Korrelation zwischen persönlicher Entwicklung und der Partnerschaft her. – Leider lassen sich seine Thesen dahingehend nicht hinreichend beweisen.

Gibt es das verflixte siebte Jahr nun eigentlich?

Jein. Prinzipiell können wir von einem Fakt ausgehen: Partner sind Individuen. Sie entwickeln sich mit- sowie ohne einander. Triften sie auseinander, kann es passieren, dass sie sich nach trennen. Allerdings spielen eine Unzahl an Verbindungen in dieses Thema hinein. Wann und wie sich Menschen verändern, ist abhängig vom eigenen Körper, Schicksalsschlägen, (Weiter-)Bildung, finanziellem Hintergrund usw. Ein siebtes Beziehungsjahr zum Maß der Dinge zu machen, kann also nicht die Antwort auf die Frage nach dem Scheitern von Partnerschaften sein.

Was tun, um die Beziehung zu erhalten?

Ich möchte an dieser Stelle den Tenor aller Paare wiedergeben, die ich dahingehend befragt habe: „Kompromisse sind nicht immer die Lösung der Wahl. Wachst aneinander und miteinander. Hört einander zu. Fragt nach und traut euch, ehrlich zueinander zu sein.“

 

 

 

1 (Spiegel Online, Scheidungen. Die meisten Ehen…, 14.08.2012)

Ralf Friedrich