Der Sinn der Arbeit

Eine Situation als Vorgeschichte

Bevor wir zum „Sinn der Arbeit“ kommen: Eine Vorgeschichte. Letzte Woche saßen wir (d.h. eine größere Gruppe) in einem Café in Chemnitz. 17.00 Uhr, entspannte Situation vor Ort, nicht zu viele andere Gäste, zwei Kellnerinnen. Eigentlich völlig unspektakulär. Eigentlich! Es begann damit, dass die Einladende für „mindestens zehn, wahrscheinlich aber zwei oder drei Leute mehr“ Plätze reservieren ließ. Allein diese Aussage bringt jeden Gastronom schon an die Grenze des Umsetzbaren. Verständlich, denn jeder Sitzplatz, der reserviert wird, aber keinen Kunden findet, vermindert potenziellen Umsatz. Als nun aber nur zehn Plätze reserviert waren und 16(!) Leute eintrafen, musste eine organisatorische Lösung her, die Kellnerin 1 unfassbar überforderte. Anstatt freie Tische und Stühle an die bereits gestellte Sitzgruppe anzugliedern, hieß es in ruppigem Tonfall: „Dann müsst ihr euch mal noch paar Stühle organisieren!“ – Schlussendlich saßen 16 Leute gedrängt aufeinander. Auch die Frage nach Wünschen wurde nur genervt gestellt; das Abendessen ungleichmäßig gebracht. Das Servieren glich einem Hinwerfen. Trinkgeld gab es keines – dafür seitens der Kellnerin weder ein Danke, noch „einen schönen Abend!“.

Der Wunsch des Kunden

Welches Problem die Kellnerin hatte, weiß ich nicht. Möglich ist vieles: Stress, vom Freund verlassenm schlechte Bezahlung, Streit mit den Kollegen. Alles denkbar UND: Mir völlig egal.

Ich bin Gast in einem Café und möchte dort eine schöne Zeit haben. Es geht mir nicht um den Kaffee oder das Essen. Wenn ich derartiges möchte, gehe ich in den nächsten Supermarkt. Mein Wunsch ist simpel: An einem Ort sein, an dem ich Freunde treffen und mich wohlfühlen kann, da sich um mein Wohl gekümmert wird. Was die Kellnerin allerdings umsetzte, entsprach nicht im Geringsten dessen, was ich wollte. Sie war schicht Servierkraft… und unfreundlich dazu. Ob sie den Sinn der Arbeit verstanden hat? Fraglich…

Was ist der Sinn (d-)/(m-) eines Jobs?

Warum tue ich das? Wieso gehe ich arbeiten? Was bringt mir ein Job? Alle Fragen sind legitim und werden zumeist mit „ich muss Geld verdienen!“ oder/und „Irgendwas muss man ja machen!“ beantwortet. Leider führt das zu mittelmäßigen Leistungen und selten zur Erfüllung. Die Kellnerin ist ein gutes Beispiel: Sie macht ihren Job, erfüllt aber nicht den Sinn der Arbeit. Ihr Job besteht darin, Gäste zu bewirten. Ihre Arbeit wäre gewesen, Gäste glücklich und und bestenfalls zu zufriedenen Kunden zu machen. Mit dem Verständnis dessen wäre ihr das Trinkgeld wahrlich zugesprungen. So hatte sie mit genervten Gästen zu tun und bekam nicht mehr als ihren Standardlohn.

Wie man auf Arbeit glücklich wird

Eine Frage sollte man sich stellen, um auf Arbeit glücklich zu werden: Was ist der wirkliche Sinn meines tuns? Wem tue ich damit etwas Gutes? Was ist das „große Ziel“? – Sobald ich diese Fragen beantworten kann, bin ich in der Lage, „mehr“ zu leisten. Das macht sich automatisch auch auf dem Gehaltszettel bemerkbar; immerhin leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der die richtige(!) Mehrarbeit auch honoriert wird.

Es ist ein Kreislauf:

Sinnvolle Tätigkeit ausüben, Leute glücklich machen, positives Feedback erhalten, Sinn in der eigenen Arbeit sehen (von vorn).

Dazu sollte ich mir aber auch die Frage nach dem großen Ganzen stellen. Ohne deren Beantwortung ist ein Job auch wirklich nur ein Job und wird nie zu mehr als einer Sache, in der man Zeit gegen Geld tauscht.

Ralf Friedrich